#dhd2018 – meine Blogwiederbelebung

DHd 2018 in Köln

Letzte Woche war in Köln die 5. Jahrestagung des Verbands Digital Humanities im deutschsprachigen Raum. Für mich war es die dritte Tagung, auf der ich selbst anwesend bin, die vierte, die ich digital mitverfolge. Die Tagung, die sich im besonderen Maße immer ein wenig nach Klassentreffen anfühlt. Zum einen geht es mir so, dass ich einige ehemalige Kollegen wiedertreffe – sei es aus Wien oder aus Berlin. Zum anderen kennt man so viele andere Tagungsteilnehmer von den verschiedensten Veranstaltungen und es wird einem sehr leicht gemacht, auf der Tagung selbst auch die anderen kennen zu lernen.

Köln – Stadt mit K

Als im letzten Jahr auf der DHd2017 in Bern bekanntgegeben wurde, dass es heuer nach Köln geht, kamen ganz verschiedene Gefühle in mir auf. Damals hatte ich frisch ein Bewerbungsgespräch in Köln hinter mir (es ist keine Überraschung mehr, dass ich nicht in Köln gelandet bin). Das hat mein Bild von Köln immerhin in einigen Bereichen optimieren können. Vor etlichen Jahren war ich ein paar Tage in Köln und fand es vor allem eins: ur hässlich. Lediglich der Dom (in dem übrigens ein Bild meines Vorfahren hängt) kann etwas, so war meine Meinung. Vielleicht auch noch das Römisch-Germanische Museum. Aber das war es dann auch schon. Durch das Bewerbungsgespräch habe ich gemerkt, dass immerhin die Gegend samt Park um die Uni herum auch ein wenig was kann.

Einquartiert habe ich mich dann recht zentral neben dem Rathaus – und auch wenn es nachts sehr laut war, weil mein Hotelzimmer Richtung Straße ging, so war die Gegend doch gar nicht mehr so schlimm, wie ich vermutet hatte.

Highlights und Stärken

AG-Treffen Digitales Publizieren

Mit einem meiner persönlichen Highlights ging meine DHd2018 direkt los: Mit der Sitzung der AG Digitales Publizieren. Da zur Zeit  meiner Anmeldung zur Tagung noch keine Abstracts verfügbar waren und ich in letzter Zeit vor allem unheimlich viele „schlechte“ Workshops (also welche, die völlig am Workshop-Charakter vorbei waren) mitgemacht habe, habe ich mir heuer die Workshops auf der Tagung geklemmt – inzwischen wäre ich doch ganz gern bei dem einen oder anderen dabei gewesen – so kann man sich irren. Aber sei’s drum. Die AG-Sitzungen waren die letzten Jahre immer am Ende der Tagung und recht träge (zumal man nach 5 Tagen doch auch schon relativ fertig und übernächtigt ist). Dieses Mal waren sie am Anfang und so konnte man frisch und gestärkt in die Arbeit starten. Erfolge der Sitzung: zwei Planungen für die DHd2019, in eine bin ich stärker involviert, und ein weiteres Projekt, dass dann ab September bearbeitet werden wird und somit nach unserem nächsten AG-Treffen. So voller Tatendrang und positiven Ergebnissen startet es sich richtig gut in die große Tagung!

Community first

Ein weiteres, wenn nicht DAS Highlight sind natürlich die vielen Leute auf der Tagung und die guten Gespräche, die sich auf der Tagung ergeben. Es ist mir jedes Mal wieder ein Volksfest, bekannte Gesichter wiederzusehen – es fühlt sich ein wenig an wie nach Hause kommen. Natürlich ist es auch jedes Mal wieder spannend, wen man so neues kennen lernt auf der DHd. Und dieses Jahr waren sogar ein paar Linguisten darunter – sonst habe ich auf vielen Tagungen im Bereich DH oft das Gefühl, ein Einzelkämpfer als Linguist zu sein. Häufig sind doch eher Historiker und Literaturwissenschaftler vertreten (neben ein paar wenigen Informatikern). Nicht so hier! Das zeigte sich auch schon beim Fight Club, wo gleich zwei Linguisten auf der Bühne standen. Yeah!

Fight Club statt Konferenzdinner

Damit kommen wir auch gleich zum nächsten Highlight: Der Fight Club-Abend! Zuvor konnte ich mir nur schwerstlich etwas unter dem Fight Club vorstellen. Also versuchte ich nicht viele Gedanken vorab daran zu verschwenden und ließ es einfach auf mich zukommen. Und ich muss sagen, ich war begeistert – auch wenn meine Kehle bis nach dem Fight Club trocken blieb. In vier Fragen gaben vier grandiose Wissenschaftler ihre Meinung zum besten und nahmen sich dabei selbst nicht immer ganz ernst, was zu einer höchst erheiternden Atmosphäre beitrug. Auch wenn ich ja ehrlich zugeben muss, dass mich Heike Zinsmeister mit ihren Annotationen! durchaus gehabt hätte (Yeah, Annotationen sind großartig! Und nein, man merkt gar nicht, worüber ich promoviere, oder…). Von der Musik war ich zunächst gar nicht so begeistert, aber als dann doch das Tanzbein geschwungen wurde, war ich hellauf begeistert. Und vor allem wurde es einem endlich so richtig schön warm! Was insbesondere auch den Füßen nach dem langen frieren in den Hörsälen durchaus gut tat! Zuvor war ich fast etwas traurig, dass ich in der Woche wohl nicht zu meiner Sporteinheit kommen würde – aber ich glaube das Tanzen hat sich als sehr guter Ersatz herauskristallisiert! Und auch an diesem Abend konnte man sehr entspannt wieder neue Kollegen kennen lernen!

Posterslam und -ausstellung

Und schließlich ein weiteres Highlight: Die Posterpräsentation. Seit ich vor 8 Monaten in meinem neuen Projekt angefangen habe zu arbeiten, habe ich unheimlich viele Poster gemacht (und einen Großteil auch selbst präsentiert). Wenn man neu dabei ist, ist es ja immer etwas schwer gleich Vorträge einzureichen – Poster gehen da immer. Da mein Verständnis von Postern allerdings ist, dass sie nicht für sich alleine sprechen müssen und daher möglichst informativ sein sollen, sondern, dass sie catchy sein müssen, um ihr Publikum anzusprechen und herbeizulocken, und das wesentliche im Gespräch erläutert werden kann – mit dem Poster als Grundlage, geht immer eine ganze Menge Zeit für die Erstellung des Posters drauf. Das Poster schön zu machen braucht dabei um ein vielfaches länger als den Inhalt zu erstellen. Und mein Kollege übertrifft mich in der Genauigkeit des Designs noch einmal und hat immer viele, viele Anmerkungen, die es noch einzuarbeiten gilt. Nach einem ganzen Haufen Postern geht einem dann schon einmal die Kreativität aus (jetzt kommt zum Glück dann langsam die Zeit der Vorträge!). Meinen Höhepunkt der Kreativität hatte ich leider bei der Tagung zuvor, der Österreichischen Citizen Science Konferenz, wo wir den Posteraward gewonnen haben.

Die Präsentationen dazu sind meist gar nicht mal so ertragreich. Es gibt zwar oft ein bis zwei ganz vernünftige Gespräche, aber Poster werden dann doch meist eher stiefmütterlich behandelt. Ganz anders auf der DHd. Die besten und hilfreichsten Gespräche habe ich bisher immer auf der DHd-Tagung geführt. Gespräche, die mich im Projekt auch wirklich weiterbringen. Der Slam ist immer ein kleines Schmankerl dazu – natürlich gibt es auch die „normalen“ wissenschaftlichen Beiträge dort – aber die Kreativität auf der DHd ist doch ziemlich hoch, sodass es ein wahrer Genuss ist, der Veranstaltung zu lauschen (und auch teilzunehmen).

Ich selbst habe dieses Jahr wohl 7 Jahre Pech auf mich geladen (zumindest wenn man den Italienern glaubt), weil ich einen Regenschirm im Gebäude aufgespannt habe (um ein sprachliches Bild auszumalen). Dazu gab es ein kleines Gedicht, von dem ich mir nach Mareike Königs Gedicht beim Fight Club gar nicht mehr so sicher war, ob ich es zum besten geben möchte. Damit es auch digital schriftlich festgehalten ist, hier:

Die Story vom K

Nicht nur in Köln ist ur was los,
Auch in Wien schreibt man K groß!
K – das steht für Kollaboration,
Schauts ihrs euch an bei der Posterpräsentation.
Auf dem Schirm haben wir die Daten von DiÖ,
Die verschiedenen Projekte haben unter ihm ihr Milieu.
42+1 ist heut die Antwort auf alle Fragen,
Nun machts ihrs euch auf, zu Poster 43 euch zu tragen!

 

Social Media

Wie sollte es bei solch einer Konferenz anders sein, spielen natürlich auch die sozialen Medien eine große Rolle, allen voran Twitter. Anders als in meinem Projekt geht Twitter da einfach am besten – ich selbst würde auch nie auf die Idee kommen, in meiner Facebook Timeline sämtliche Einträge über die Konferenz zu teilen. Twitter bietet sich da wesentlich mehr an. Und meinem persönlichen Empfinden nach ist das Medium der Wissenschaft auch am ehesten Twitter. Bei uns im Projekt läuft die Facebook-Seite um Welten besser – was vielleicht auch daran liegen mag, dass die Kollegin, die sich Facebook widmet weitaus organisierter im Teilen und Posten ist als ich es mit unserem Twitterkanal. Eine Kollegin meinte mal, sie twittert auf Konferenzen so viel, weil es eine Art Mitschrift für sie ist – das sehe ich ganz ähnlich, auch wenn ich an mir selbst bemerke, dass sich die Frequenz, in der ich auf Konferenzen twittere, doch sehr ändert mit der Zeit… Sämtliche Social Media-Aktivitäten zur DHd gibt es übrigens hier.

Und nun nehme ich mir den Jürgen Hermes zum Vorbild und ergänze den Blogpost immer mal wieder um mehr Punkte 😉